Heilig-Kreuz-Kirche Filisur

1966/1967 wohnten in der überwiegend reformierten Gemeinde Filisur nur wenige Katholiken, die durch Pfarrer Bernhard Casanova aus Alvaneu betreut wurden. Er zelebrierte ein- bis zweimal pro Monat im Musik- und Lehrerzimmer des neuen Schulhauses eine heilige Messe. Abwechslungsweise übernahmen die katholischen Familien jeweils den Messmerdienst.

Durch die Zunahme katholischer Einwohner, vor allem von Gastarbeitern, wurde bald schon der Wunsch nach einer eigenen Kirche/Kapelle laut. Um dieses Ziel weiterverfolgen zu können, wurde im November 1967 die Katholische Kirchenstiftung Filisur ins Leben gerufen. Von der Familie Ludwig Sommerau-Plüss konnten die beiden Garagenboxen südöstlich des Friedhofs käuflich erworben werden.

Durch Bettelbriefe und vom Bistum Chur bewilligte Bettelpredigten im Unterland versuchte Pfarrer Casanova sich das nötige Startkapital zu verschaffen. Auch die inländische Mission unterstützte unser ehrgeiziges Vorhaben mit einem namhaften Betrag à fonds perdu.

Als Präsident, erfolgreicher Geldbeschaffer und Baukoordinator war Pfarrer Casanova die treibende Kraft im Stiftungsrat.

Die ersten Ideen, die Garagen in einen sakralen Bau umzufunktionieren, wurden schnell fallengelassen und mit Arthur Balzer, Architekt aus dem Raum Zürich mit Albulataler Wurzeln konnte ein ausgewiesener Fachmann für einen Kirchenneubau gewonnen werden. Der Stiftungsrat war von ersten Entwürfen einer zweckmässigen modernen Kirche mit Kirchturm begeistert. Verschiedene Einsprachen - zu hoher Kirchturm, störender Glockenlärm, Nichteinhalten der Baulinie und zu moderner, nicht in die Umgebung passender Baustil - dämpften allerdings die Euphorie und verunmöglichten eine Baubewilligung durch die Gemeindebehörde. So verzichteten die Filisurer Katholiken auf den Kirchturm, wollten sich aber nicht ganz vom Geläute trennen, da sie mit der Familie Muoser-Schuler aus Altdorf bereits eine Glockenspenderin zur Hand hatten.

Architekt Balzer gelang eine vereinfachte Glockenstuhllösung mit Integration in die Dachkonstruktion. Das in Dis" gestimmte Glöcklein harmoniert mit dem Geläute der reformierten Martinskirche und mit der politischen Gemeinde konnte eine Vereinbarung über die Parkplatzbenützung und Abdankungen für reformierte Gläubige getroffen werden. Jetzt stand dem Bau unserer Heilig-Kreuz-Kirche nichts mehr im Weg.

Ende August 1970 erfolgte die Grundsteinlegung und am 18. Juli 1971 die Einweihung durch Bischof Johannes Vonderach. Im Frühling 1972 legte Pfarrer Casanova die Bauabrechnung mit Totalkosten von Fr. 480'000.00 vor und musste sich kurz darauf in ärztliche Obhut begeben. Hat er durch seinen unermüdlichen Einsatz für die Filisurer Katholiken seine Gesundheit geopfert? 1985 wird die Katholische Kirchgemeinde Filisur gegründet und gleichzeitig die vollständige Tilgung der Bauschulden bekannt gegeben.

Auf das 25-Jahr-Jubiläum hin wurde die neue elektronische Orgel eingeweiht und die Primarschüler inszenierten mit tollen Gemälden auf den öden Wänden des im Untergeschoss liegenden Zivilschutzraums die Arche Noah. In der Folge wird der Raum der Schuljugend für ihre Discos und Jugendfeste zur Verfügung gestellt.

Es folgten turbulente, vor allem durch viele Pfarrwechsel geprägte Jahre und zur Klärung der Besitzverhältnisse musste 2006 die Katholische Kirchenstiftung Filisur reaktiviert werden.

Mit der Installierung des Seelsorgeraums Davos/Albula im Jahr 2013 beruhigte sich die angespannte Lage und zusammen mit den katholischen Kirchgemeinden Schmitten, Bergün und Surava wurden wir administrativ und seelsorgerisch von der Kirchgemeinde Davos unter der Leitung unseres heutigen Dekans Pfr. Kurt Susak bestens unterstützt.

Im Herbst 2015 fassten wir den Beschluss, unsere Kirche einer Renovation zu unterziehen. Raumschale, Heizung, Beleuchtung und Bände bedurften einer grösseren Sanierung. Daneben waren kleinere Eingriffe an einzelnen Fenstern, sanitären Anlagen, Bodenplatten, Teppichen und Umgebungsarbeiten von Nöten. In den Jahren 2016/2017 konnten diese Arbeiten mit Gesamtkosten von brutto ca. Fr. 90'000.00 ausgeführt werden.

Zunehmende Schwierigkeiten in der Ämterbesetzung und die von der Katholischen Landeskirche revidierte Verordnung über die Finanzverwaltung setzten die Kirchgemeinden Anfang 2015 unter Handlungsdruck, der häufig in Fusionen gipfelte.

So schloss sich unsere Kirchgemeinde mit den Kirchgemeinden Alvaneu, Alvaschein, Bergün, Mon, Schmitten, Stierva, Surava und Tiefencastel auf den 1. Januar 2017 zur Katholischen Kirchgemeinde Albula zusammen.

Wir hoffen, dass sich unsere Gläubigen mit Gottes Hilfe auch mit dem neuen grösseren Gebilde identifizieren können und sich weiterhin in unserer schmücken Heilig-Kreuz-Kirche zuhause fühlen.                                                                                                       Urs Öschger und Markus Peng