Alvaschein - Hl. Josef

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Die urkundlichen Bezeichnungen für unsere Gemeinden im Mittelalter weisen eine Vielfalt von Formen auf. So wurde das heutige Alvaschein im Jahr 1154 de Aluisinis, 1377 Alfosen, 1414 Alphaschein genannt. Alvaschein gehörte im späten Mittelalter kirchlich zu Tiefencastel. Im Zeitalter der Gegenreformation wurde Tiefencastel zu einem Zentrum der Kapuzinermission im Albulatal.

Die Kirche St. Joseph wurde von 1653 bis 1655 als Filialkirche auf Initiative der damals im Albulatal tätigen Kapuziner erbaut (Rohbau) und am 28. Juni 1663 durch Bischof Ulrich VI. de Mont (1661-1692) zu Ehren des hl. Joseph und des hl. Antonius von Padua geweiht (Kirchenarchiv Nr. 3.1.1.). An diesem Ort gab es keine Vorgängerkirche, denn die Kirche St. Joseph löste St. Peter in Mistail ab. Das Allerheiligste wurde von St. Peter in die neue Pfarrkirche verbracht. 1681 versetzte man auch die Glocken von Mistail in den Kirchturm von St. Joseph in Alvaschein. Die Abtrennung von der Mutterpfarrei Tiefencastel ist für das Jahr 1738 bezeugt.

 

Die reich gegliederte Schauwand, das prächtige Portal und der elegante Kirchturm sind charakteristisch für die Kirche von Alvaschein,

Über der Glockenstube erhebt sich ein Oktogon mit Laterne. Erbauer des Kirchturms ist Carlo Rufona.

Das Kircheninnere überrascht mit seinen wohlgesetzten Proportionen. Das Schiff der Kirche hat einen kreuzförmigen Grundriss. Der Chor wird von der Sakristei und dem Turm flankiert. Ursprünglich war die Anlage asymmetrisch. Erst 1740 wurde die nördliche Seitenkapelle angebaut. Die Belichtung der Kirche erfolgt in der Gewölbezone des Chores, der rechten Seitenkapelle und der Rückwand. Die linke Seitenkapelle hat ein aufgemaltes Fenster.

Den Hochaltar von 1657 erbaute Giovanni Giuliano. Aus dieser Zeit stammen die kleinen unteren Seitenschreine, der Tabernakel und die mit Ranken geschmückten Kerzenstufen. Auf den seitlichen Schreinen stehen die Statuen der Heiligen Anna und des Heiligen Joachim. Die Kapuzinerinsignien, die vielen Engel (Putten) und die Muschelmotive zeugen vom Können des unbekannten Schnitzers des Hochaltars von Alvaschein.

Der sogenannte Volksaltar aus Holz in Truhenform wurde von Pfarrer Anton Levi geschnitzt.

Das Altarbild zeigt „Die Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“ und stammt vom Vorarlberger Maler Johann Rudolf Sturn (bischöflicher Hofmaler). Es entstand im Jahr 1655 und wurde 1740 neu gefasst.

Den Altar in der südlichen Seitenkapelle ziert die Figur des hl. Antonius von Padua mit dem Kind auf dem Arm, das Frontispizbild zeigt den hl. Fidelis von Sigmaringen. Auch dieser Altar wird wie der Hochaltar von Engeln geschmückt.

Bemerkenswert ist auch der Fahnenkasten in dieser Kapelle und das Täfer mit figuraler Malerei von der gleichen Hand gemalt, wie die Bemalung des Chorgestühls in Tiefencastel aus dem Jahre 1698.

Der Altar in der nördlichen Seitenkapelle birgt eine Marienfigur, die auf dem Mond steht und der Schlange den Kopf zertritt. Sie ist gekrönt mit den 12 Sternen (gemäss Offenbarung 12.1-2) Im Giebelbereich steht der hl. Stephan. Auf dem Gebälk stehen die Figuren des Hl. Franziskus und des Hl. Felix von Cantalice. An den Seiten des Altares stehen der Hl. Petrus (mit Schlüssel) und der Hl. Paulus (mit Schwert). Auch hier finden sich wieder wunderbar geschnitzte Engel.

An der linken Schiffswand hängt ein wertvolles Skapulierbild, oberitalienischer Herkunft, aus dem 17. Jahrhundert (Poeschel, Bd. 2, 276, 278). Darauf ist Simon Stock abgebildet, ein englischer Waldbruder, der später einem Karmeliterorden beitrat. Er hatte 1250 eine Erscheinung der Muttergottes, bei der er, der Legende nach, den Rosenkranz aus den Händen des Jesuskindes empfängt. Wer den Rosenkranz trägt, soll nicht dem ewigen Feuer anheimfallen. Dieses Sakpulierbild hat nach Pöschel grossen Ähnlichkeit mit der Immaculata in Acletta (Disentis), das Carlo Francesco Nuvolone zugeschrieben wird. Eine Skapulier-Bruderschaft existierte in Alvaschein bereits 1604, wie das im Archiv erhaltene Mitgliedschaftsbuch zeigt (Kirchenarchiv Nr. 1.7.3.1.).

1760 wurde ein Kreuzweg errichtet (Kirchenarchiv Nr. 1.4.2.1). In Folge der Restaurierung von 1971-74 wurden die grossen Wegkreuztafeln aus der Kirche entfernt. 2016 wurden die Kreuzwegbilder in einer schlichten Form ohne Rahmen wieder in die Kirche gehängt. Diese in Holz geschnitzten Tafeln stammen von einem Schnitzer aus dem Surses und wurden um 1925 angefertigt.

Die Kirche St. Josef wurde mehrmals verändert. 1740 errichtete man die Seitenkapelle im Norden und baute die Altäre um. 1790 und 1894 erhielt St. Joseph neue Glocken. 1915 wurde die Kirche aussen renoviert, 1918 entstand der von Carlo Rufona erbaute Turm. Die Kirche wurde 1925 renoviert. 1939 wurden vier neue Glocken geweiht (Firma Ruetschi AG Aarau). Von 1971 bis 1974 kam es zur umfassenden Restaurierung der Kirche und anschliessend unter den Schutz von Bund und Kanton gestellt. 2012 folgte eine Innenrestaurierung und 2016 wurde der Turm renoviert.

Nach der Ablösung von St. Stephan in Tiefencastel am 9.1.1738 (Kirchenarchiv Nr. 1.1.1.2.) betreuten Kapuziner die Gemeinde Alvaschein. Aus diesem Jahr wird uns auch eine erste Vereinbarung mit dem Pfarrer über dessen Lohn und dessen Aufgaben überliefert (Kirchenarchiv Nr. 2.3.3.). Bereits im Oktober 1737 hatte der Bischof von Chur die Kapuziner mit der örtlichen Seelsorge beauftragt (Kirchenarchiv Nr. 1.1.1.1.), die sie bis 1922 innehatten. Zur Erinnerung an die Kapuziner wurde 1922 ein Gedenkbild erstellt mit Namen und Porträts der Alvascheiner Seelsorger von 1738 bis 1922. Es wird heute im Kirchenarchiv aufbewahrt.

Quellen: Kirchenarchiv Alvaschein; Hans Batz. Die Kirchen und Kapellen des Kantons Graubünden. Band VI. Chur [o. J.], 120-125; Poeschel, Kunstdenkmäler, Bd. 2, 1937. Kirchen und Kapellen an der Julierroute, D. Lozza/A. Scarpatetti/G. Schnuer/G. Spinas, Calanda Verlag ,1984. Geschichte der Pfarrei St. Joseph, Dr. phil. des. Silke Margherita Redolfi, Masein, 2016.